Rahmenkonzeption

Vorbemerkung:
Grundsätzlich orientiert sich die Konzeption der Wohnstätten der Lebenshilfe Brakel am Grundsatzprogramm der Bundesvereinigung Lebenshilfe.
In Abstimmung mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Kostenträger werden die Wohnstätten als Wohnstättenverbund mit einheitlicher Konzeption geführt. Naturgemäß ergibt sich bis zu einem gewissen Grad eine Autarkie der einzelnen Wohnstätten durch Unterschiede in der Bewohner-, Alters- bzw. Mitarbeiterstruktur sowie durch historisch bzw. räumlich bedingte Gegebenheiten, dennoch wird konzeptionell und organisatorisch dem Anspruch, Wohnstättenverbund zu sein, Rechnung getragen.
 
Personenkreis:

In den fünf Wohnstätten der Lebenshilfe Brakel leben erwachsene Personen mit geistiger Behinderung.
Entsprechend einer 1989 geschlossenen Vereinbarung von Trägern sozialer Hilfe auf Kreisebene obliegt der Lebenshilfe Brakel die Wohnversorgung von Menschen mit geistiger Behinderung in Abgrenzung zu Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, für die sich andere Zuständigkeiten ergeben.

Grundsätzlich stehen die Wohnstätten Menschen mit unterschiedlichen Behinderungsgraden offen. Die Wohnstättenplätze sind an Arbeitsplätze in Werkstätten für behinderte Menschen gebunden, in Einzelfällen konnten Vermittlungen auf dem freien Arbeitsmarkt erreicht werden.
Im Unterschied zu früheren Verfahrensregelungen des Kostenträgers können inzwischen auch berentete Bewohner in der Wohnstätte verbleiben, solange keine klinische Indikation vorliegt und die personengerechte Betreuung im Haus sichergestellt werden kann.

 

 
Zielsetzungen:

Übergeordnetes Ziel der Arbeit in den Wohnstätten ist die Hilfe zur Eingliederung von Menschen mit Behinderung auf der Basis der §§ 53 f. SGB XII Eine solche Integration setzt Zielsetzungen auf mehreren Ebenen voraus:


1.) Bewohnerbezogene Ziele
 - Sorge für das leibliche Wohl der Bewohner
 - größtmögliche Verselbständigung der Bewohner in allen
    Lebensbereichen, wobei teilweise extrem unterschiedliche
    Ausgangslagen individuell formulierte Ziele bedingen


2.) Gruppenbezogene Ziele
 - familienähnliche Strukturen schaffen
 - soziales Lernen ermöglichen
 - Gemeinschaft und Geborgenheit vermitteln


3.) Einrichtungsbezogene Ziele
 - dem Bewohner ein Zuhause bieten
 - Voraussetzungen für selbständigere Wohnformen schaffen
 - Integration des Einzelnen und der Einrichtung in das engere und weitere
   Wohnumfeld


4.) Institutionelle Ziele
 - Akzeptanz schaffen
 - ausreichende Zahl an Wohnstättenplätzen bereitstellen
 - alternative Wohnformen ermöglichen

 
Mittel / Methoden
Um die o.a. Ziele zu erreichen muß in der Wohnstätte eine Atmosphäre herrschen, die dem Bewohner die Identifikation mit dem Haus ermöglicht. Das Menschenbild der Betreuer muss durch die Anerkennung des Selbst- und Mitbestimmungsrechts entscheidend mitgeprägt sein. Sie müssen in der Lage sein, vorbehaltlos und unvoreingenommen auf die Bewohner zuzugehen und sie ganzheitlich mit allen Stärken und Schwächen zu akzeptieren. Des Weiteren ist die Anerkennung der lebenslangen Lern- und Entwicklungsfähigkeit eine wichtige Voraussetzung für adäquates pädagogisches Handeln.

Im Rahmen der familienähnlichen Struktur der Wohngruppen ergibt sich die Tatsache, dass alle Betreuer für alles zuständig sind. Aufgabenspezifische Zuordnungen ergeben sich lediglich bis zu einem gewissen Grad durch ausbildungsmässige bzw. interessensbedingte Schwerpunkte. Grundsätzlich jedoch wird die Notwendigkeit von umfassender Verantwortung anerkannt. Das hat zur Folge, dass die Mitarbeiter aufgrund der Vielfalt der Aufgabenbereiche zur Teamarbeit mit unbedingter Einhaltung von Absprachen angehalten sind. Ferner bedingt die familienähnliche Struktur im Sinne einer emanzipatorischen Grundhaltung eine gleichberechtigte Stellung ohne hierarchische Über- und Unterordnung.

Da die Bewohner ihren Hauptwohnsitz in der jeweiligen Wohnstätte haben, gestaltet sich ihr Leben in seiner gesamten Bandbreite in der Wohnstätte bzw. aus ihr heraus. Aufgrund der damit verbundenen Vielfalt können in diesem Rahmen nur einige übergreifende Aussagen getroffen werden.

Die folgende Auflistung orientiert sich am o.a. Zielkatalog:

ad 1.
 - Sicherstellung ausgewogener, bedarfsgerechter Ernährung
 - Sicherstellung ärztlicher bzw. fachärztlicher Behandlung
 - Anleitung in der lebenspraktischen Versorgung
   ( Hygiene, Kleidung, Umgang mit Geld etc.)
 - Sicherstellung tragender und verlässlicher Beziehungen

ad 2.
 - räumliche und organisatorische Gliederung der Wohnstättenin    überschaubare Gruppen
 - heterogene Gruppenzusammensetzung = Normalitätsprinzip
 - Förderung gegenseitiger Rücksichtnahme
 - Interessensvertretung der Bewohner nach außen
 - Gruppe als Raum für Gemeinschaft und Individualität
 - Aufarbeitung von Konflikten und Krisen
 - Förderung der Kommunikation
 - Gestalten der Geburtstage, Feste etc.

ad 3.
 - Aufrechterhaltung bestehender, Förderung neuer Außenkontakte
   (Eltern, Vereine etc.)
 - Nachbarschaftspflege
 - Einbindung in die politische und in die kirchliche Gemeinde
 - Zusammenarbeit mit den zuständigen Werkstätten
 - Beteiligung der Bewohner am Leben der gesamten Wohnstätte
 - Verlagerung von Einzel- und Gruppenaktivitäten nach außen
 - Organisation und Durchführung von Ferienfreizeiten, Ausflügen   etc.
 - gleichberechtigte Stellung ohne hierarchische Gliederung sowohl auf
    Bewohner- wie auf Betreuerebene
 - Sicherstellung größtmöglicher personeller Kontinuität
 - Sicherstellung der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen

ad 4.
 - bedarfsgerechte Erstellung zusätzlicher Wohnstättenplätze auf baulich
   hohem Niveau
 - Plazierung der Wohnstätten an den „Marktplätzen“ der Gemeinde  
 - Erhaltung bzw. Ausbau des pädagogisch-pflegerischen Niveaus
 - Sicherstellung der dezentralen Versorgungsstruktur (= kleine  Einheiten,
   Wohnortnähe)
 - Binnendifferenzierung durch Bereitstellung alternativer Wohnformen
   ( Außenwohngruppen, Betreutes Wohnen, Einzel-, Paarwohnungen )
 - adäquate Öffentlichkeitsarbeit
 - Sicherstellung der Mobilität (Bereitstellung von Fahrzeugen)